Staatssekretär a.D. Dr. Walter Arnold und der 1. Vorsitzende des Jagdvereins Alsfeld, Mario Döweling informierten über aktuelle jagdpolitische Fragen und Entwicklungen.

Alsfeld - Der Hessische Landtag hat im Juni 2011 das neue Hessische Jagdgesetz beschlossen, das eine Reihe von Veränderungen für die Jägerschaft gebracht hat. Viele Neuerungen  wurden von den hessischen Jägern begrüßt. Einige Teilbereiche, wie die Jagdzeitregelung beim Rotwild außerhalb des Waldes, haben sich auf dem „Prüfstand der Praxis“ nicht bewährt. Im Rahmen der jagdrechtlichen Novellierung  soll den gemachten Erfahrungen und Entwicklungen Rechnung getragen und der Paragraphendschungel gelichtet werden.

 

Derzeit arbeitet die Oberste Jagdbehörde beim Landwirtschaftsministerium in Wiesbaden an einer neuen „Hesischen Jagdverordung“, die mehrere geltende Verordnungen  (Jagdzeiten, Jägerprüfung, Hegegemeinschaften, Fangjagd) ersetzen soll. Dr. Walter Arnold, MdL, einer der Mitautoren des Hessischen Jagdgesetzes, stellte in einer Informationsveranstaltung im „Schäferhof“ in Alsfeld - Eudorf, zu der auch die Jägervereinigung Lauterbach eingeladen hatte, für die Vogelsberger Jägerinnen und Jäger seine Einschätzungen  zum aktuellen Entwurf der Verordnung vor. Unterstützt wurde er durch den Leiter der Unteren Jagdbehörde beim Vogelsbergkreis, Frank Leinberger.

Angedacht sind unter anderem folgende wichtige Änderungen: Die Jagdzeiten für Rot-, Dam-, und Muffelwild  sollen künftig am 15. Januar enden. Zur „Synchronisierung der Schalenwildjagdzeiten“  soll dies auch für das weibliche Rehwild gelten. Die Jagdzeit auf Rehböcke startet traditionsgemäß unverändert am 1. Mai und endet am 15. Oktober. Die Frage der Ahndung  von  Fehlabschüssen  bei Böcken anlässlich herbstlicher Gesellschaftsjagden wurde in diesem Zusammenhang von den Teilnehmern kontrovers diskutiert. Zukünftig sollen nach dem 31.Dezember keine Bewegungsjagden mehr stattfinden.

Laut Dr. Arnold werden hessenweit etwa 60 Prozent  des Schwarzwildes auf der Ansitzjagd erlegt und annähernd 25 Prozent des Rotwildabschusses wird außerhalb der festgelegten Rotwildgebiete getätigt.

Angesichts der Schwarzwildproblematik sollen die Frischlinge und Überläufer unter Beibehaltung des „Elternschutzparagraphen“ (Jagdzeit von Bachen und Keiler vom 16.Juni bis 31. Januar) weiterhin  ganzjährig bejagt werden. Auch der Fuchs soll (mit Ausnahme der zur Aufzucht der Jungen notwendigen Elterntiere) wegen der Gefahren durch Tollwut und Fuchsbandwurm weiterhin das ganze Jahr bejagt werden.

Geplant ist auch die Themenbereiche Jägerprüfung (Pflicht zur Teilnahme an einem Ausbildungslehrgang?), Hegegemeinschaften, Fangjagd sowie Wildfütterung und Kirrung zu überarbeiten. Nach Meinung von Frank Leinberger, Leiter der Unteren Jagdbehörde beim Landrat des Vogelsbergkreises, kann sich das Land Hessen, angesichts der prekären Schwarzwildsituation, in seiner Regiejagd und den verpachteten staatlichen Eigenjagdbezirken kein Kirrjagdverbot leisten. Dem pflichtete Dr. Arnold bei und will sich im Ministeriium und bei Hessen Forst dafür einsetzen, dass Kirrungen weiterhin erlaubt bleiben. Im übrigen entfallen  ab 30. September 2013 die Kirrungsgenehmigungen. Kirrungen sind künftig nur noch anzeigepflichtig.

Im übrigen wies Dr. Arnold daraufhin, dass sich das neue Hessische Waldgesetz zur Zeit in Anhörung des Landtages befindet. Inhaltlich besteht, insbesondere wegen der weitergehenden gesellschaftlichen  Ansprüche an den Wald und seiner herausgehobenen Bedeutung  für den Klimaschutz sowie einen nachhaltigen Energiemix, ein erheblicher Bedarf zur Neuregelung. Nach teilweise harter Diskussion mit den Mountain-Bikern über das Radfahren im Wald sei man mit der Definition, dass ein „gefahrloser Begegnungsverkehr unter gegenseitiger Rücksichtnahme möglich sein müsse“ auf dem richtigen Weg.

Der 1. Vorsitzende des Jagdvereins Alsfeld, Mario Döweling dankte Staatssekretär a.D. Dr. Arnold unter dem Applaus der Teilnehmer für seine kenntnisreichen, spannenden und informativen Ausführungen.