Alsfeld - "Das ist ein Schlag ins Gesicht von Jägern und Landwirten", so die Reaktion des Vorsitzenden des Alsfelder Jagdvereins Mario Döweling auf die Vorlage des Entwurfs einer Jagdverordnung durch die Hessische Landesregierung. Die Landesregierung plant im Entwurf für die Jagdverordnung drastische Einschränkungen bei den Jagdzeiten, Änderungen bei der Jägerausbildung, sowie eine Verlagerung von Kompetenzen und Zuständigkeiten weg von den Jägern zu anderen Naturschutzverbänden. Im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen sei festgeschrieben, dass das Hessische Jagdgesetz von 2011 Bestand habe, mit dem alle bisher gut leben konnten, so Döweling.

 

Der CDU-Landtagsabgeordnete Kurt Wiegel habe noch im Frühjahr öffentlich erklärt, es bleibe alles wie es ist, obwohl bereits Gerüchte über die Jagdverordnung die Runde machten. Nun wolle das Umweltministerium das Jagdgesetz mit der Verordnung durch die Hintertür aushöhlen. Konkret sollen Grau- und Kanadagans, Rebhuhn, Baummarder, Hermelin, Mauswiesel und Iltis ganzjährig geschützt werden, die Jagdzeiten auf Rabenkrähe, Elster, Nilgans und Ringeltaube sollen drastisch verkürzt werden und Füchse sollen eine Schonzeit erhalten. Während bei Feldhase und Stockente die Jagd nur noch in Gebieten mit starken Beständen nach vorheriger Untersuchung möglich sein soll, soll die Jagdzeit auf Rehböcke bis zum 31. Januar verlängert werden. "Die Argumentation des Ministeriums ist es, das Niederwild zu schützen. Dabei werden die Jagdzeiten auf Nesträuber wie Elster und Krähe, sowie Beutegreifer wie den Fuchs drastisch verkürzt. Wo ist da die Logik?", ärgert sich der Jägervorsitzende. Offensichtlich stehe die Ideologie hier im Vordergrund, da es schon immer so genannte Naturschutzverbände gebe, die eine Jagd auf Wildvögel und die Fallenjagd ablehnten. "Bei der Stockente von bedrohten Beständen zu sprechen ist abenteuerlich", so Döweling. Bei den Feldhasen seien es die Jäger, die seit Jahren ehrenamtlich die Bestände erfassten und ähnlich wie beim Rebhuhn in einigen Teilen Hessens freiwillig auf die Jagd verzichteten. Dies solle nun in die Hände anderer Verbände gelegt werden, mutmaßlich gegen Bezahlung aus der Landeskasse. Gleichzeitig gebe es Jagdreviere in Vogelsberg und Wetterau, wo die Jagd auf Feldhase, Rebhuhn und Stockente wegen hoher Bestände sehr lohnend sei.

"Hier muss ein Aufschrei von Jagdgenossen und Landwirten erfolgen, denn ihnen wird die Wertschöpfung entzogen", sagte Döweling. Mit dem Verbot der Jagd auf den Baummarder leite das Ministerium faktisch das Ende der Fallenjagd ein, da man unmöglich sicherstellen könne, ob man Baum- oder Steinmarder fange. Das wird aus Sicht der Jäger bei vielen Autobesitzern und Geflügelzüchtern zu Entsetzen führen, wo Marder oft erheblichen Schaden anrichten und nur mit der Falle zu bejagen sind. Kritisch sehen die Jäger auch die Verlängerung der Rehbockjagdzeit. Dieser habe von Mai bis Oktober ohnehin eine der längsten Jagdzeiten und man benötige diese Verlängerung nicht. Es bestehe hier die Gefahr, dass in Zukunft auf herbstlichen Bewegungsjagden auf jedes Reh geschossen werde, was dem Tierschutz zuwiderläuft.

Die Vogelsberger Jäger wollen diese Politik gegen den ländlichen Raum nicht hinnehmen und haben sich in Protestschreiben an Ministerpräsident Bouffier, sowie die Abgeordneten des Hessischen Landtages gewandt. "Hinzu kommt, dass die grüne Umweltministerin Hinz den Anhörungstermin für die Jagdverordnung über die Ferien gelegt hat, wohl in der Hoffnung den Entwurf still und heimlich durchzuwinken", erläutert Mario Döweling. "Das werden wir uns nicht gefallen lassen und zusammen mit den anderen Hessischen Jägern, Landwirten und Jagdgenossen in Wiesbaden auf die Straße gehen. Wir werden für unsere Rechte kämpfen", so Döweling abschließend.