Alsfeld - Entgegen den Verlautbarungen in überregionalen Medien wird die von Umweltministerin Priska Hinz verkündete neue Hessische Jagdverordnung von der organisierten Vogelsberger Jägerschaft abgelehnt. Die Verordnung beinhaltet zahlreiche Änderungen bei den Jagdzeiten, die zum Beginn des neuen Jagdjahres am 01.04.2016 in Kraft treten. "Die Verordnung bringt eine Reihe von Einschränkungen, vor allem für die Feldjäger, und ist in ihren Regelungen widersprüchlich", so Mario Döweling, der Vorsitzende des Jagdvereins Alsfeld und Hans Ulrich Weidner, der Vorsitzende der Jägervereinigung Lauterbach.

So sei plötzlich eine Schonzeit für Waschbären und Marderhunde vom 01. März bis 31. August vorgesehen und beim Fuchs eine Schonzeit vom 01. März bis 14. August. Gleichzeitig würden eine Reihe von Tierarten wie Feldhase, Rebhuhn und andere Wildvögel in ihrer Jagdzeit erheblich eingeschränkt, mit der Begründung der Bestand sei bedroht. "Wenn man diesen Arten helfen will, darf man ihren Hauptfressfeinden und Nesträubern keine langen und unnötigen Schonzeiten geben", erläutern Weidner und Döweling. Bei den Waschbären sei es zudem ein Witz, auch den männlichen Tieren eine Schonzeit zu geben, die mit der Jungenaufzucht rein gar nichts zu tun hätten. Beim Fuchs müsse man zudem die Seuchengefahr bedenken, bisher habe die Bestandskontrolle durch die Jägerschaft immerhin dazu geführt, die Tollwut in Hessen weitgehend verschwinden zu lassen.

"Schon nach den bisherigen Regelungen war es ohnehin verboten, Muttertiere während der Aufzucht der Jungen zu erlegen, diese Verschärfung der Regelungen ist unnötig und erschwert auch eine frühzeitige Bejagung der Jungtiere", so die Jägervorsitzenden. Nun könne man von Waschbär und Fuchs geplagten Geflügelzüchtern oder Kleingartenbesitzern in den Sommermonaten faktisch nicht mehr helfen, da die Rechtsgrundlage zur Bejagung dieser Arten entfallen sei. Ärgerlich ist aus Sicht der Jäger auch die Verkürzung der Jagdzeit auf Dachse, die erhebliche Schäden in der Landwirtschaft verursachten, ebenso die Verkürzung der Jagdzeiten auf Rabenkrähen und Elstern um zwei Monate. Zudem würden Arten wie Mauswiesel, Hermelin und Baummarder komplett von der Jagd ausgenommen. "Das ist auch das Ende der Fallenjagd auf den Steinmarder, da man weder über Köder noch Fallengröße sicherstellen kann, dass sich nicht ein Baummarder fängt", erläutern Döweling und Weidner. Hier zeige sich auch, was das Wort des CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Walter Arnold wert sei, der bei einer Veranstaltung im Vogelsbergkreis Änderungen im Verordnungsentwurf in Aussicht gestellt hatte. Offensichtlich sei man hier vor den Grünen als Koalitionspartner eingeknickt, die ohnehin die Fallenjagd ablehnten.

Weitgehend unklar und unverständlich sind aus Sicht der Jäger die Regelungen zur Jagdzeit auf Stockente und Feldhase, wo von einer Feststellung entsprechender Bestandsgrößen die Rede sei. "Es ist völlig unklar, wer hier entscheiden soll, ob auf diese Arten gejagt werden darf, die aber ohnehin flächendeckend im Vogelsbergkreis vorkommen", erläutern Döweling und Weidner. Anstatt es den Jägern freizustellen, die ihre Reviere am Besten kennen, würden hier bürokratische Hürden aufgebaut, die zudem unnötige Verwaltungskosten für die Landkreise verursachten. Auch bei der massenhaft auftretenden Ringeltaube werde die Jagdzeit in den Sommermonaten aufgehoben, obwohl dort eine Bejagung auf den abgeernteten Getreidefeldern sehr gut möglich sei, während die Ringeltauben als so genannter Teilzieher in den Herbstmonaten die Hochlagen des Vogelsberges verließen. Unnötig ist hingegen aus Sicht der Jägerschaft die Ausweitung der Jagdzeit auf Rehböcke bis zum 31.Januar, da die Böcke zur Reduktion der Rehpopulation keine Rolle spielten und ohnehin eine der längsten Jagdzeiten vom 01. Mai bis 15. Oktober hatten.

"An der Basis brodelt es und offensichtlich hält die gegen den ländlichen Raum gerichtete Politik der Landesregierung an", fassen Mario Döweling und Hans Ulrich Weidner die Situation zusammen. Offensichtlich seien die 5000 Jäger und Landwirte, die man im September zur Demonstration in Wiesbaden mobilisieren konnte noch zu wenig gewesen, um ein Einlenken der Landesregierung zu erreichen, dennoch werde man weiterkämpfen um diese Regelungen zu Lasten des ländlichen Raumes wieder zu ändern.