Lauterbach - Sie plündern Mülltonnen, machen sich auf Dachböden, Gärten und Friedhöfen breit: die Waschbären. Die Allesfresser sind zur Problemtierart geworden. Ein Kulturfolger im menschlichen Siedlungsbereich, der sich rasant vermehrt. So hat die Waschbärstrecke im Vogelsbergkreis mit etwa 3500 Tieren in den letzten 10 Jahren um das 10-fache zugenommen. Diese Problematik wurde  kürzlich, bei einem traditionellen Jahresgespräch, zu dem sich der Landrat des Vogelsbergkreises Manfred Görig  mit den Vorständen des Jagdvereins Alsfeld  und der Lauterbacher Jägerschaft sowie den Kreisjagdberatern traf, erörtert.

Der Vogelsberger Kreistag hatte vergangenen Oktober in einer Resolution an Ministerin Hinz die ganzjährige Bejagung von männlichen Waschbären und Jungtieren gefordert. Trotz aller Argumente und des negativen Einflusses der sich ausbreitenden Waschbärpopulation auf Tier- und Vogelwelt und der hohen Erkrankungsrate von über 80% mit dem Staupevirus-  setzt das Ministerium, die vom 1. März bis 31. Juli geltende Schonzeit, nicht aus. Landrat und Jägerschaft sind sich einig: wer Waschbären schont, gefährdet den Artenschutz.. Die Bevölkerung wendet sich hilfesuchend an die Jägerschaft, der jagdrechtlich die Hände gebunden sind. Der Landrat will mit verstärkten Kursangeboten zur Fangjagd helfen.

Die Expertenrunde diskutierte weitere aktuelle jagdpolitische Themen, wie Fragen zur Ausbreitung des Wolfes. Es gab schon vereinzelte Sichtbeobachtungen im Lebensraum Vogelsberg. Das Thema: guter Wolf, böser Wolf ist sehr emotional besetzt. Wir müssen bei Problemlagen, bei Weidetier- und Schafthaltung sowie beim Muffelwildbestand zu gemeinsamen, abgewogenen Lösungen kommen, befanden die Teilnehmer des Runden Tisches. Auf der Agenda stand auch die Waffenkontrolle. Die Kontrolle der ordnungsgemäßen Aufbewahrung von Jagd- und Sportwaffen wird laut Landrat Görig ernst genommen und gründlich durchgeführt. Görig appelierte, die waffenrechlichen Vorschriften einzuhalten und im Zweifelsfall die Waffenbehörde zu kontaktieren. Erfreut zeigten sich die Vertreter der Jägerschaft, dass die Befreiung von der Trichinengebühr bei Frischlingen bis 20 Kilogramm im Vogelsbergkreis auch zukünftig Bestand haben soll.

Der Vogelsberg erhebt zur Zeit 12% Jagdsteuer. Nachbarkreise, wie Fulda, Gießen und Wetterau verzichten, wegen der Leistungen der Jägerschaft, beispielsweise für Biotopverbesserung, auf diese Bagatellsteuer. Die Vogelsberger Jagdvertreter baten hier gleichfalls um Abschaffung.. „ Im Rahmen der Haushaltungsberatungen werden wir noch einmal darüber sprechen“, sagt Görig zu. Landrat Görig, selbst passionierter Jäger, zeigte sich erfreut über den erfrischenden Dialog und will die Jägervertretung auch künftig zu einem „Runden Tisch“ einladen.